Der hessische Mathematik Lehrplan für Fachoberschulen (Abschluß Fachabi) will auch Fähigkeiten in Mathematik, insbesondere in der Analysis vermitteln. Wie sieht das aber in der Realität aus?
Ein ganzes Schuljahr lang werden in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden Gleichungssysteme aufgestellt, und diese durch das Additionsverfahren mehr oder weniger Willkürlich gelöst (OK, teils haben die Aufgaben auch einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund). Der Schüler muss also
- Aus den Textaufgaben Gleichungen konstruieren
- Diese mit mehrfachem Anwenden des Additionsverfahren irgendwie lösen
Den Schülern wurde dabei insbesondere nicht das Gaussche Lösungsverfahren beigebracht, mit dessen Hilfe man das stupide Lösen der Gleichungssysteme auch einem Computer überlassen könnte. (In meinem abiturvorbereitenden Kursen sind mir auch Schüler aus normalen Gymnasien untergekommen, die das Gaußsche Lösungsverfahren nicht kannten, obwohl dies ausdrücklich im Lehrplan verlangt wird).
Im nächsten Schuljahr steht dann das Differenzieren auf dem Programm. Nach einer kurzen Einführung in die Differentialrechnung werden sehr schnell Kurvendiskussionen durchgeführt. Und danach?
Die Schüler bekommen eine Textaufgabe, müssen daraus Gleichungen gewinnen, und diese anschliessend händisch lösen. Die meiste Zeit benötigen die Schüler natürlich für das Lösen der Gleichungssysteme, nicht fürs aufstellen derselben.
Ein aufgestelltes Gleichungssystem läßt sich allerdings auch mit einem (vergleichsweise einfach zu schreibenden) Computerprogramm lösen. Es existieren sogar mehrere online Löser. Diese sollen die Schüler aber nicht benutzen.
Daher sind die Schüler die meiste Zeit mit einfachen Umformungen von Gleichungen beschäftigt. Händisch durchgeführt ist dies allerdings fehleranfällig, muss man dabei doch einige einfache Additionen im Kopf vornehmen. Wird ein einziger Fehler gemacht, so löst sich das LGS falsch auf. Daher ist bei dieser Tätigkeit hohe Sorgfalt angebracht. (Hier eine typische Aufgabe)
Sorgfältig zu Rechnen scheint daher heute das Hauptaugenmerk des Mathematikunterrichts zumindest an Fachoberschulen zu sein, sonst würde nicht so viel Zeit darauf verwendet.
Mathematik sollte meiner Meinung nach aber eher dazu dienen, das logische und das mathematische Denken zu schulen, nicht stupide Gleichungen zu lösen, dafür gibts Taschenrechner und Computer. Diese können das sehr viel besser als jeder Mensch.
Das Land Hessen sollte m.E. dafür sorgen, daß solch stupide Dinge langsam aus den Lehrplänen und auch aus dem Unterrichtsalltag verschwinden, schließlich wird schon seit langem eine Wurzel mit dem Taschenrechner gezogen, anstatt die alte Logarithmentafel zur Hilfe zu nehmen.
Leider ist das in Fachoberschulen eher gar nicht zu erwarten, dort weicht ja sogar der offizielle Lehrplan massiv vom tatsächlichen ab. Leider wird über die Situation an Fachoberschulen in der Öffentlichkeit wenig dikutiert und auch von der Politik stiefmütterlich behandelt.